Säuglingsnahrung - Neue EU-Verordnung

von

Baby mit Mutter
Foto: Panthermedia/konstantynov

Der Gesetzgeber schraubt die Qualitätsanforderungen weiter in die Höhe

Besser als mit Muttermilch kann man einen Säugling nicht ernähren. Sie enthält maßgeschneidert alles, was der neue Erdenbürger für Wachstum und Entwicklung braucht.

Nicht gestillten Babys soll industriell hergestellte Anfangsnahrung einen guten Start ermöglichen. Die Europäische Union stellt zu Recht hohe Anforderungen an Säuglingsnahrung und passt diese laufend an. Die neueste diesbezügliche EU-Verordnung trat am 22. Februar 2020 in Kraft.

WAS IST NEU?

Die Verordnung regelt

  • die Zusammensetzung der Produkte sowie ihre Kennzeichnung und Bewerbung.
  • Die vorgeschriebenen Mindest- und Höchstmengen bestimmter Inhaltsstoffe wurden angepasst, z. B. bei der essenziellen Fettsäure Linolsäure sowie bei einigen Vitaminen und Mineralstoffen. Der Eiweißgehalt wurde reduziert.
  • Neu ist die verpflichtende Zugabe von DHA (Docosahexaensäure), einer Omega-3-Fettsäure, die vor allem für die Entwicklung von Gehirn, Nervensystem, Sehvermögen und Immunsystem wichtig ist.
  • Der Zusatz von ARA (Arachidonsäure) ist hingegen (noch) nicht verpflichtend.
  • Optionale Zusatzstoffe sind weiterhin erlaubt, wenn ihre Eignung durch Studien belegt ist.
  • Weiter eingeschränkt wurde die Bewerbung von Säuglingsnahrung: Angaben zu Nährwerten und gesundheitlichen Effekten sind mit Ausnahme von DHA und Laktose strikt untersagt.

WAS SAGEN EXPERTEN ZUR NEUEN VERORDNUNG?

Im Mai 2019 trafen sich auf Einladung von Milupa namhafte Experten aus Österreich, Deutschland und den Niederlanden, um diese Änderungen zu diskutieren.

Dabei wurde die Senkung des Eiweißgehalts als Schritt in die richtige Richtung gesehen. Denn eine zu hohe Proteinzufuhr im Säuglingsalter kann zu einem erhöhten Body-Mass-Index bis hin zu Adipositas führen.

Ziel ist es, weniger Protein mit besserer Bioverfügbarkeit einzusetzen, was aufgrund verbesserter technischer Möglichkeiten mittlerweile machbar ist. Der verpflichtende Zusatz von DHA wurde begrüßt, dabei aber bemängelt, dass nicht gleichzeitig auch der Zusatz der Omega- 6-Fettsäure ARA gefordert wird.

WAS BRINGT DIE ZUKUNFT?

Sogenannte HMOs, Humane Milch-Oligosaccharide (Zuckermoleküle), stehen aktuell im Zentrum der Muttermilchforschung. Man kann sie bereits nachbauen, ihre Sicherheit ist nachgewiesen. HMOs werden nach und nach Einzug in die Säuglingsnahrung halten – aber das erfordert noch viel Forschungsarbeit.

Teilnehmer am Milupa-Roundtable:

  • RA Mag. Jakob Hütthaler-Brandauer: Kanzlei Hütthaler-Brandauer, Wien (AT)
  • Gastgeber Dr. Christopher Mayr: Geschäftsführer von Milupa Österreich, Puch/ Hallein (AT)
  • Prof. Dr. Walter Mihatsch: Chefarzt der Kinder- und Jugendmedizin, Helios Klinikum, Pforzheim (D)
  • Prof. Dr. Bernd Stahl: Leiter der Nutricia-Muttermilchforschung und der Analytik sowie Associate Professor of Glycobiology am Department of Pharmaceutical Science an der Universität Utrecht (NL)
  • Prim. Univ.-Prof. Dr. Karl Zwiauer: Leiter der Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde, Universitätsklinikum St. Pölten (AT)

„Am Beginn des Lebens ist der menschliche Körper noch nicht in der Lage, DHA und ARA in ausreichender Menge zu synthetisieren.”

Prof. Dr. Bernd Stahl

"Wir erforschen seit mehr als 40 Jahren Muttermilch und wissen daher um die Bedeutung einer ganz spezifischen Fettsäuremischung. Aus diesem Grund enthalten alle unsere Säuglingsanfangsnahrungen bereits seit vielen Jahren DHA und ARA und werden diese auch in Zukunft weiterhin enthalten."

Mag. Sigrid Eckhardt Ernährungswissenschafterin und Unternehmenssprecherin von Milupa Nutricia Österreich

"GOS/FOS [Ballaststoffmischungen auf Milchbasis bzw. auf Basis von Früchten und Gemüsen, Anm.] sind aus meiner Sicht eine wünschenswerte Zutat. ‚Optional‘ bedeutet nicht nutzlos, wie manche vielleicht glauben mögen. Vielmehr handelt es sich um eine Zutat, die aus medizinischen Gründen begrüßenswert ist.
Es ist evident, dass Milchen von einem Unternehmen, das Forschung betreibt, zu bevorzugen sind. Nicht alle Säuglingsnahrungen sind gleich. Kinderärzte und Hebammen sollten von den Herstellern entsprechend informiert werden."

Prof. Dr. Karl Zwiauer

"HMOs sind das goldene Vorbild. Um jedoch eine sichere Aussage treffen zu können, welche Wirksamkeit die nachgebauten Strukturen haben, braucht es weitere Studien"

Prof. Dr. Bernd Stahl

LINKS:

Zurück