Babynahrung und Eiweißgehalt

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Baby trinkt Babymilch
Foto: PantherMedia/Hannes Eichinger

Worauf es ankommt!

Wenn Stillen nicht möglich ist, soll Babynahrung die Entwicklung des Säuglings bestmöglich unterstützen. Eine geeignete Eiweißzufuhr ist dabei essenziell. Forschungsergebnisse der vergangenen Jahre haben gezeigt, dass ein zu hoher Eiweißgehalt die Nieren belasten und zu Übergewicht führen kann. Auch der Gesetzgeber hat reagiert und in der EU-Verordnung von Februar 2020 den vorgeschriebenen Mindestproteingehalt gesenkt.

Am 22. Februar 2020 ist die neueste EUVerordnung bezüglich Babynahrung von 2016/17 in Kraft getreten.

Sie regelt:

  • die Zusammensetzung der Produkte
  • sowie ihre Kennzeichnung
  • und Bewerbung.
  • Die vorgeschriebenen Mindest- und Höchstmengen bestimmter Inhaltsstoffe wurden angepasst.
  • Vor allem aber wurde der vorgeschriebene Eiweißgehalt reduziert.

EIWEISSVERSORGUNG: DAS DILEMMA

  • Zu wenig Eiweiß führt zu Mangelerscheinungen.
  • Ein Zuviel dagegen hat eine vermehrte Bildung von Fettzellen und damit eine zu schnelle Gewichtszunahme im Kleinkindalter zur Folge. Das wiederum erhöht das Risiko späteren Übergewichts, wie die große europäische CHOP-Studie (EU Childhood Obesity Project) zeigte.
  • Gestillte Kinder haben dieses Problem nicht. Das verwundert kaum, denn Muttermilch enthält 55 bis 80 Prozent weniger Protein als Säuglingsnahrung.

Eine verringerte Eiweißzufuhr ist heutzutage durch den Einsatz von Proteinen besserer Qualität möglich – so sind trotzdem alle für den Wachstumsprozess wichtigen Inhaltsstoffe wie etwa essenzielle Aminosäuren enthalten.

DIE NESTLÉ-INITIATIVE

Der Eiweißgehalt der Muttermilch ist nicht immer gleich, sondern den Bedürfnissen des Kindes angepasst und nimmt mit der sinkenden Wachstumsgeschwindigkeit des Babys nach den ersten Lebensmonaten schnell ab. Dieser Faktor fand in der neuen EU-Verordnung allerdings noch keine Berücksichtigung. Nestlé stellte einen Antrag an die EU-Kommission, den Verkauf einer Folgenahrung mit einem abgesenkten Proteingehalt zuzulassen.

BEDARFSGERECHTE EIWEISSVERSORGUNG

Muttermilch ist, wie gesagt, die beste Ernährung für einen Säugling. Wenn nicht gestillt wird, ist es wichtig, auf die Eiweißversorgung zu achten. Um diese bedarfsgerecht zu gewährleisten, muss sich auch die Säuglingsmilch weitgehend dynamisch anpassen können. Mit einem Stufensystem ist das möglich.

  • Das bedeutet, dass je nach Stufe (Anfangsmilch, Folgemilch, Kindermilch) der Eiweißgehalt sinken muss – schließlich benötigt das Kind weniger Eiweiß, je älter es wird.
  • Eine Senkung des Eiweißgehalts setzt aber voraus, dass das Eiweiß eine entsprechend hohe Qualität und den vorgeschriebenen Mindestgehalt aller lebenswichtigen essenziellen Aminosäuren aufweist. Nur dann lässt sich ein Wachstum wie bei gestillten Säuglingen gewährleisten – bei deutlich niedrigerer Gewichtsentwicklung als bei Ernährung mit Säuglingsnahrung ohne stufenweise Anpassung des Proteingehalts.

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