Babys erstes Jahr

von

Baby glücklich
Foto: Panthermedia_Springoz

Wann wird es leichter mit dem Baby?

Viel Lärm um nichts ... oder ist das erste Jahr mit einem Kind wirklich so anstrengend, wie viele es beschreiben? NEM MOM hat Mütter gefragt, nach entwicklungspsychologischen Erklärungen gesucht und – aus guten Gründen - Tipps für diese Zeit zusammengesucht.

"Meinst du, es wird ein bisschen viel Lärm um ,nichts‘ gemacht, wenn von den Anstrengungen der ersten Monate mit einem Baby die Rede ist?", frage ich unbedacht meine Arbeitskollegin. "Lärm um nichts ...?“" ringt sie echauffiert nach Worten. Ehe ihr noch eine Antwort einfällt, entkommt ihr ein herzhaftes Gähnen. In diesem Moment wird mir klar: "Achtung, Fettnäpfchen! Hier triffst du auf eine Betroffene ..."

Schlafentzug

"Der Schlafentzug ist das allerschlimmste." Darüber sind sich die meisten Mütter einig.

Wann das Baby durchschläft und längere Verschnaufpausen gewährt, ist von vielen Faktoren abhängig. Zudem wird eine Frau, die vor der Geburt ihres Kindes mit fünf Stunden Schlaf auskam, schneller das Gefühl haben, wieder schlafen zu können, als eine, die sich blauäugig bald wieder acht Stunden ungestörter Nachtruhe erträumt hat.

Erstaunlicherweise muss etwas so Selbstverständliches wie Schlafen von Neugeborenen aber erst erlernt werden. Entwicklungspsychologisch betrachtet gelten Babys in ihrer Fähigkeit, sich selbst zur Ruhe zu bringen, in den ersten drei Lebensmonaten als unreif und sind daher auf die Hilfe ihrer Eltern angewiesen. Erst allmählich können sie sich alleine "ausknipsen", also auch einschlafen, ohne gestillt, geschaukelt oder gar getragen zu werden.

Exzessives Schreien oder massive Schlafstörungen fallen dagegen unter die Diagnose "frühkindliche Regulationsstörungen", die nur für die ersten drei Lebensjahre gestellt wird. Danach sollte der Spuk tatsächlich zu Ende sein oder eine andere Ursache (z. B. Angststörung) dafür verantwortlich gemacht werden.

Die erste Zeit mit dem Baby

Sind es anfangs meist die ganz normale kindliche Entwicklung und die häufigen Mahlzeiten, die die Nachtruhe unterbrechen und so den Alltag fordernd gestalten, ziehen bald Blähungen und das Zahnen viel Aufmerksamkeit auf sich. Jeder abgehende Pups löst bei Eltern Begeisterungsstürme aus, und jedes Zähnchen, das sich durch den harten Kiefer schiebt, ist ein Segen.

"In der Zeit des Zahnens schwankte ich permanent zwischen Mitleid mit dem Baby und Selbstmitleid. Kein Wunder, traten doch die vier oberen Vorderzähnchen alle gemeinsam heraus. Die vergangenen drei Jahre waren wohl die härtesten meines Lebens"

erzählt eine Mutter

Sie wird dafür mit einem Kinderlachen belohnt, bei dem schon ganz schön viele Milchzähnchen zu sehen sind.

Unterstützung

"Unser erster Meilenstein war das Abstillen. Damit habe ich eine große Portion Eigenständigkeit zurückgewonnen. Nicht mehr die einzige und unentbehrliche Nahrungsquelle zu sein, hat nach fast einem Jahr wirklich gutgetan. Ich würde jeder Mutter empfehlen, spätestens dann auch mal wieder ohne Kind ein paar Stunden fortzugehen."

Doch loszulassen und den Schatz jemand anderem anzuvertrauen ist für manche keine leichte Übung. Am besten klappt es wohl, wenn man ihn in guten Händen weiß. Wer nicht das Glück eines unterstützenden Partners oder lieber Großeltern hat, sollte früh damit anfangen, sich ein Netzwerk aufzubauen. Tagesmütter, Leihomas oder Babysitter sind natürlich mit Kosten verbunden. Doch man kann sich auch mit ein oder zwei anderen Müttern zusammentun, in einer Rochade abwechselnd auf alle Kinder schauen, um dazwischen von freier Zeit zu profitieren.

Eltern-Kind-Treffen, Krabbel- oder Stillgruppen, bei denen in gemütlicher Runde geplaudert oder Trost gespendet wird und man sich austauscht, sind in der ersten Zeit ebenfalls oft ein wichtiger Anker.

Das Naseputzen...

Wenn die Kleinen die ersten Schritte machen, geht's plötzlich fast wie von selbst. Die Messlatte liegt genau genommen also gar nicht allzu hoch. Aber wer freut sich nicht wie über einen Lottosechser, wenn die lieben Kleinen sich endlich alleine schnäuzen können? Wie gut, dass ich das auch schon kann ... Mir kullern nämlich die Tränen der Rührung über die Wangen, wenn ich an die vielen zauberhaften Dinge denke, die Kinder nun tagtäglich lernen, ausprobieren, plötzlich können und uns mit viel Liebe zurückgeben.

AUTORIN

Katharina Wallner ist Hebamme, Pädagogin und freie Journalistin. Sie betreut Familien in der Schwangerschaft, bei der Geburt und im Wochenbett. Außerdem unterrichtet sie seit 2014 an der Fachhochschule FH Campus Wien im Studiengang Hebammen.

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