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Christa Schirl
Interview "Jugend ohne Chance?"
jugend ohne chance
Foto: Anette Friedel-Prenninger

Jugend ohne Chance?
Ein Interview mit Christa Schirl, Psychologin und Psychotherapeutin im Kinderhilfswerk Linz

Soziale Sicherungssysteme und Teilhabechancen an der Gesellschaft sind eng mit Erwerbsarbeit verknüpft. „Nach wie vor ist die Arbeit - trotz aller Diskussionen über den Wertewandel in unserer Zeit - zentraler Integrationsfaktor in unserer Gesellschaft. Arbeit bedeutet unter anderem individuelle Existenzsicherung und trägt zur Sinngebung bei. Sie gibt dem Alltag Struktur, bietet soziale Sicherheit und dient als Leitlinie in der Lebensplanung“, beschreibt Christa Schirl, Psychologin im Kinderhilfswerk die Lage.
Dazu kommt, dass junge Menschen heute in eine Gesellschaft hineinwachsen, die wie keine zuvor, vielfältige Chancen und Möglichkeiten zu bieten scheint. Gerade in unserer schnelllebigen Zeit brauchen Jugendliche Unterstützung, um ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten auszubilden und ihren Platz in der Gesellschaft zu finden. Dies gilt besonders für diejenigen, deren schulische Laufbahn nicht ohne weiteres die Aufnahme und erfolgreiche Absolvierung einer qualifizierten Berufsausbildung garantiert. Jugendliche ohne positiven Schulabschuss, Schulabbrecher, ausländische Jugendliche, die an Sprach- oder Kulturbarrieren scheitern, finden besonders schwer einen Zugang zum Ausbildungssystem. Aufgrund der großen Nachfrage nach Lehrstellen haben die auszubildenden Betriebe die Möglichkeit, aus den Bewerberinnen die Qualifiziertesten herauszufiltern und dadurch bedingt, erfolgt eine „Selektion der Besten“.
Wer heute eine Ausbildungsstelle sucht, muss Kompromisse eingehen. Dies hängt unter anderem auch mit dem eingeschränkten Angebot an Lehrstellen zusammen. „Viele Jugendliche, die noch eine Lehrstelle „ergattert“ haben, wollten ursprünglich etwas ganz anderes arbeiten, mussten sich aber mit dem begnügen, was am Lehrstellenmarkt geboten wurde“, so die Psychologin. „So kommt es nicht selten vor, dass sich Lehrstellensuchende, die ursprünglich Bürokauffrau werden wollten, im Einzelhandel wiederfinden, während ein anderer, der Elektroinstallateur als erstrebenswert erachtete, nun - trotz zwei Klassen HTL - die Schlosserlehre als einzige Möglichkeit ergreifen musste.“

Hauptsache Arbeit
Diese formale Integration in den Arbeitsbereich nach dem Motto „Hauptsache Arbeit“ ist problematisch, da der Einstieg in den Beruf Einfluss auf die weitere Berufslaufbahn nimmt. „Nachträgliche Korrekturen sind zwar möglich, aber mit vielen Hindernissen verbunden“, so die Experten. Eine erfolgreiche Integration in die Berufswelt ist gegeben, wenn Jugendliche an der Arbeit Freude finden, Befriedigung aus ihr schöpfen und in der Arbeit soziale Kontakte knüpfen können.
Eine instrumentalistische Arbeitsorientierung lässt die Jugendlichen zu stark in den Kategorien Geld („Kohle machen“) und Aufstieg denken, gleichgültig in welchem Arbeitsbereich sie integriert sind. Wie gesagt: Hauptsache Arbeit.
Nicht nur das eingeschränkte Angebot an Lehrstellen stellt ein Problem dar. „Viele Jugendliche unterliegen unrealistischen Einschätzungen der eigenen Fähigkeiten und der Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt“, meint Schirl.

Wozu bin ich da? - fehlende Identitätsbildung als Auswirkung von Jugendarbeitslosigkeit
Arbeitslosigkeit ist für alle Betroffenen gleichermaßen schlimm. Führt Arbeitslosigkeit generell zu sozialer Desintegration, zum Verlust des Selbstwertgefühles, zu psychischen und psychosomatischen Krankheiten, zu Sinnverlust und Desorientierung führt, so trifft es Jugendliche noch mehr als Erwachsene: „Der ihnen verwehrte Zugang zur Arbeitswelt trifft sie in einer unbestritten empfindlichen Lebensphase und stellt Jugendliche vor existentielle Probleme. Erwachsene Arbeitslose haben zumindest eine Identität, die sie - was schlimm genug ist - im Laufe der Arbeitslosigkeit verlieren können“, beschreibt  Schirl das Dilemma und weiß um die Schwierigkeit der Identitätsbildung bei Jugendlichen. Die Frage: „Wie sollen die jungen Menschen mit dem Gefühl, nicht gebrauchten oder nicht erwünscht zu sein, eine eigene persönliche und soziale Identität entwickeln?“ wird zur zentralen Frage der psychologischen Begleitung.
Arbeitslosigkeit kann bei Jugendlichen zu einem Prozess der Selbstentwertung und der Entwertung der eigenen Fähigkeiten führen. Die Entwicklung der eigenen Identität und die Herausbildung der individuellen Persönlichkeit ist eine Voraussetzung, damit ein Mensch soziale Handlungskompetenz erlernen kann. Arbeitslosigkeit stellt das zentrale Muster der Selbstdefinition unserer Gesellschaft in Frage.

Jugend ohne Zukunft? - Fehlende Perspektive als Folge
Für die junge Generation ist der erfolgreiche Einstieg ins Berufsleben schon deshalb von großer Bedeutung, weil damit zugleich Weichenstellungen für den weiteren erwerbsbiographischen Verlauf gelegt werden, die in einer späteren Lebensphase kaum oder zumindest nur erschwert korrigiert werden können. Die erfolgreiche Integration in die Arbeitswelt ist eng mit materiellem Wohlstand, gesellschaftlicher Teilhabe aber auch der Verwirklichung von privaten Interessen und Lebensplänen verknüpft. Soziale Anerkennung und sinnstiftende Lebensperspektiven sind abhängig vom Einstieg ins Beschäftigungssystem.

Neben Einkommensverlusten und Abhängigkeiten vom Staat kommt bei jungen arbeitslosen Menschen eine fehlende Lebensperspektive dazu. Der Aufbau der eigenen Existenz oder die Gründung einer Familie scheinen unmöglich. Resignation ist nicht selten die Folge.

Familiäre Belastungen
Die Zeit der Lehrstellensuche ist für viele Familien eine enorme Belastung. Der schnelle technologische Fortschritt hat zur Folge, dass viele Eltern ihre eigenen Berufserfahrungen bezüglich ihrer damaligen Berufswahl nicht auf ihre Kinder übertragen können.
„Besonders betroffen sind Jugendliche, die in einem Umfeld sozialer Benachteiligung aufwachsen und in deren Familien ein eher schul- und bildungsfeindliches Klima vorherrscht“, erklärt die Psychologin. „Oft erhalten diese jungen Menschen weder die nötige Unterstützung noch den erforderlichen Freiraum, um den Übergang von der Hauptschule in die Berufswelt zu schaffen, da die Eltern nicht in der Lage sind, ihrem Nachwuchs die wichtige Orientierungshilfe über den zunehmend unübersichtlichen Ausbildungsmarkt zu geben.“ Soziale Benachteiligung reproduziert sich so fast zwangsläufig weiter, zumal dieser Personenkreis eher über ein ungenügendes Beziehungsnetz im Arbeitsmarkt verfügt, welches eine wichtige Komponente zur erfolgreichen Eingliederung in die Berufswelt darstellen würde. Oft fehlt diesen Jugendlichen Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten und die nötige Handlungskompetenz, um mit der schwierigen Situation der Berufswahl angemessen umgehen zu können.

Soziale Desintegration
Die Gefahr der gesellschaftlichen Ausgrenzung droht jenen Jugendlichen, die die Integration in den Arbeitsmarkt nicht schaffen. Soziale Desintegration äußert sich auf Ebene der Gesellschaft durch Chancenlosigkeit: Den arbeitslosen Jugendlichen fehlen Möglichkeiten, dem gesellschaftlichen Ziel der Erwerbstätigkeit zu entsprechen.
Dazu kommt das Bewusstsein fehlender Sinnhaftigkeit des eigenen Lebens. Dies kann in erhöhte Gewaltbereitschaft sowohl gegen sich selber (Autoaggression) als auch gegen andere münden bis hin zu Vandalismus, erhöhte Jugendkriminalität oder gar Suizid. In extremen Fällen können auch radikale politische Haltungen ausgebildet werden.
Um diesen negativen Tendenzen entgegen zu wirken ist die Stabilisierung der Persönlichkeit der Heranwachsenden durch die Eingliederung in gesellschaftlich anerkannte Ausbildungsstellen bzw. Bildungsinstitutionen eine Notwendigkeit im Sinne gesellschaftlicher Interessen.

Sonstige Faktoren
Jugendliche müssen im Allgemeinen die Entscheidung für einen Lehrberuf im letzten Jahr ihrer obligatorischen Schulzeit treffen. In der Berufsfindung werden sie vom Elternhaus und von der Schule begleitet. Erschwerend auf diesen Entscheidungsfindungsprozess wirkt der Umstand, dass Jugendliche mehrheitlich noch nicht in der Lage sind, eine realistische Abwägung von Chancen und Risiken des erwünschten Berufsweges im Hinblick auf ihr zukünftiges Erwerbsleben vorzunehmen. Dazu kommt der Umstand, dass Lehrstellen immer früher vergeben werden, was zu einer zusätzlichen Belastung der Jugendlichen und deren Eltern führt. Denn nicht selten werden von den beteiligten wichtige Entscheidungsprozesse zu spät eingeleitet, so dass unfreiwillig Warteschleifen eingeschaltet werden müssen.
Dies trägt zur Destandardisierung der Lebensentwürfe junger Menschen bei. Der Übergang in den Erwachsenenstatus erfolgt immer weniger über zeitlich klar definierte und an ein bestimmtes Alter gebundene Start und Ankunftsstationen. „Aus unserer Erfahrung wissen wir, dass die meisten Jugendlichen, die von der Ausgrenzung aus der Erwerbsarbeit bedroht sind, eine ausgeprägte Arbeitsorientierung aufweisen. Oft sind aber ihre Ansprüche im Bezug auf den Inhalt und die Qualität ihrer Arbeit, die sie leisten wollen, unrealistisch“, so Christa Schirl.

Probleme
Mit folgenden Problemen können Arbeit suchende Jugendliche konfrontiert sein:
Finanzielle Probleme: fehlendes Einkommen, keine Arbeitslosenunterstützung, dadurch kein Geld für persönliche Ausgaben und keine Sparmöglichkeit, die Ablösung vom Elternhaus wird dadurch erschwert oder verunmöglicht, drohende Verschuldung aufgrund fehlender finanzieller Ressourcen. Das hat auch Auswirkungen für den Staat, dem Sozialversicherungsbeiträge und Steuereinnahmen entgehen und der statt dessen Sozialhilfezahlungen leisten muss. Auch der notgedrungen niedrige Konsum der Betroffenen und die Kosten für die berufliche Wiedereingliederung sind in Rechnung zu stellen.
Probleme in der Familie: Spannungen und Reibereien, finanzielle Einschränkungen, Druck, möglichst schnell eine Arbeit zu finden, seelische Belastungen.
Gesundheitliche Aspekte: psychische Erkrankungen, schlechter Allgemeinzustand, Suchtprobleme (Alkoholismus, Drogenabhängigkeit), Depression, Aggression und Autoaggression (selbstverletzendes Verhalten)
Psychosoziale Folgen: Langeweile, sich überflüssig fühlen, Zukunftsangst, Kontaktverluste, Ärger in der Familie, Verlust des Selbstvertrauens, Misserfolgserwartung, keine Motivation, in „schlechte“ Gesellschaft geraten, Fehlen von Anerkennung in der Gesellschaft, Frustration, Kriminalität, Vandalismus, politische Radikalismen, Obdachlosigkeit, Entsolidarisierung

Die von Arbeitslosigkeit bedrohten Jugendlichen
Besonders bedroht durch derartige Ausschlussprozesse vom Arbeitsmarkt sind Sonderschulabgänger und Jugendliche ohne bzw. ohne positiven Pflichtschulabschluss: Bei dieser Bevölkerungsgruppe ist einerseits keine Möglichkeit zu einer weiteren schulischen Ausbildung vorhanden, andererseits werden die Möglichkeiten, als Hilfskraft direkt in den Arbeitsmarkt einzusteigen immer geringer, da auch immer mehr Hilfsarbeiter in die Arbeitslosigkeit gedrängt werden. „Fehlende Qualifikation oder mangelnde berufliche Ausbildung sind wesentliche Gründe, die junge Menschen in die Arbeitslosigkeit abdrängen und einen schnellen Eintritt in den Arbeitsprozess verhindern“, erklärt Schirl und fügt hinzu: „Auch immer mehr Jugendliche mit guter formaler Schulbildung sind unter den von Arbeitslosigkeit betroffenen Personen zu finden.“ Besonders benachteiligte Personengruppen sind weiters weibliche Jugendliche und Migranten.

Weibliche Jugendliche
Viele Studien belegen, dass weibliche Jugendliche trotz guter und sehr guter schulischen Leistungen auf dem Arbeitsmarkt auch heute noch benachteiligt sind. In der Berufsbildung sind die jungen Frauen in massiv weniger Bereichen und in kürzeren Ausbildungen zu finden und ein in den letzten Jahren konstanter Anteil von etwa 27 Prozent aller Frauen haben keine formale Berufsausbildung. Allerdings ist hier die Altersstreuung sehr groß, wobei gesagt werden kann, dass es bei der jüngeren Frauengeneration zu einer positiven Beschäftigungsentwicklung gekommen ist. Trotzdem darf nicht verschwiegen werden, dass Frauen im untersten Qualifikationsbereich nach wie vor deutlich überpräsentiert sind.
Die am stärksten von Frauen dominierten Branchen liegen im Gesundheits- und Sozialwesen. Rund 77 Prozent aller dort Beschäftigten sind Frauen. Rund 65 Prozent sind im Unterrichtswesen und mit rund 61 Prozent ist der Sektor der sonstigen Dienstleistungen bzw. Beherbergung und Gaststätten durch Frauenbeschäftigung gedeckt. Quantitativ sind am meisten Frauen im Handel (rund 18 Prozent aller beschäftigten Frauen) und in der öffentlichen Verwaltung sind rund 16 Prozent aller beschäftigen Frauen.
Rund 70 Prozent der Mädchen wählen aus nur zehn Lehrberufen aus. Ganz oben auf der Liste steht der Einzelhandel, gefolgt von Bürokauffrau und Friseurin. Das wiederum wirkt sich negativ auf die Gehaltsschere aus .Die jungen Frauen sind somit wie ihre Mütter und Großmütter, in Dienstleistungsbereichen und dort in den dienenden, pflegenden und erziehenden Ausbildungen zu finden. Zudem beinhalten diese Berufe oft geringe Zukunfts- und Aufstiegsperspektiven. Gerade weil es für junge Frauen, anders als für junge Männer, keine kollektiv geltenden Normen eines modellhaften Lebensentwurfes gibt und ihnen keine arbeits- und sozialpolitisch gestützten Modelle zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf angeboten werden, kommt der individuellen Berufsfindung eine wichtige Bedeutung zu: Eine umfassende Berufsberatung und –begleitung ist unumgänglich.
 Dazu kommt, dass noch immer viele weibliche Jugendliche aufgrund der fehlenden Chancen am Arbeitsmarkt zu einer unüberlegten Flucht in eine Familiengründung tendieren. Jungen Frauen und Männern muss eine konstruktive Auseinandersetzung mit ihren Rollenbildern ermöglicht werden.

Ausländische Jugendliche
Die Übergangswege der Jugendlichen mit ausländischer Nationalität kennzeichnen ähnliche Zugangsbarrieren wie diejenigen der weiblichen Jugendlichen. Dazu kommen noch fremdenfeindliche Vorurteile und formale Eintrittshürden, die ihre Integration bedeutend erschweren.
Schon das Zusammenstellen der Bewerbungsunterlagen, die bestimmten formalen Standards genügen müssen, stellt für viele Jugendliche eine erhebliche Hürde dar.
Eine weitere Hürde ist das Vorurteil, bei Ausländern sei mit größeren Fluktuationen und stärkerem Absentismus zu rechnen. Dies bekommen auch die Lehrstellensuchenden zu spüren.
Mit eventuellen Sprachschwierigkeiten wird sofort die Befürchtung verbunden, diese Jugendlichen seien den Anforderungen der Berufsschule nicht gewachsenen. Eine betriebliche Investition in dieses Humankapital würde sich nicht lohnen.
Firmen pflegen die für sie geeigneten Lehrlinge mittels eines Einstellungstests auszuwählen. Diese Tests erfordern nicht nur gute Sprachkenntnisse auf relativ abstraktem Niveau, sondern darüber hinaus auch die Fähigkeit,  Sprache instrumentell einzusetzen.
Generell wirken sich die Benachteiligungen bei Migrantinnen doppelt aus. Sie werden einerseits als Ausländerinnen mit den für diese Gruppe typischen Diskriminierungsfaktoren konfrontiert und andererseits unterliegen sie noch zusätzlich der geschlechtsspezifischen Diskriminierung von Frauen. Unter allen arbeitslosen Jugendlichen trägt diese Gruppe sicherlich eines der größten Risiken, die sozioökonomische Integration nicht zu schaffen und damit Teil einer sich verfestigenden Armutspopulation zu werden - mit verschwindend geringen Chancen auf einen Ausstieg aus der Armutskarriere.
In genaue Zahlen lässt sich die Jugendarbeitslosigkeit - unserer Ansicht nach - nicht fassen, denn es muss davon ausgegangen werden, dass sich ein beträchtlicher Teil der arbeitslosen Jugendlichen nicht beim AMS als arbeitslos gemeldet sind, weil einerseits keine Ansprüche auf Leistungen aus der Arbeitslosenversicherung bestehen (z.B. bei Schulabgängern oder Jungakademikern). Andererseits ist – gerade bei längerer Arbeitslosigkeit - oftmals ein resignativer Rückzug zu beobachten, in dessen Folge die aktive Suche nach einem Arbeitsplatz aufgegeben wird.

Ausblick
Wie diese Ausführungen zeigen, hat die Arbeitslosigkeit von Jugendlichen auch deswegen eine besondere Dimension, weil Jugendlichen oftmals individuelle Bewältigungsstrategien fehlen, um mit der Situation der Arbeitslosigkeit fertig zu werden. Einerseits befinden sie sich generell in einer materiell schwierigen Situation (Loslösung vom Elternhaus, Eingehen einer Zweierbeziehung), andererseits sind sie auf der Suche nach einer eigenen Identität und ihrem Platz in der Gesellschaft. Zu diesem Prozess der Selbstortung, der auch über die Schiene „Arbeit und Beruf“ verläuft, gibt es keine reale Alternative. Jugendliche, die keine Chance auf eine Teilhabe an der Erwerbsarbeit bekommen, haben keine Zukunftsperspektive und können zu hoffnungslosen und resignierenden Menschen werden.
Dazu kommt, dass Arbeitslosigkeit nicht nur Auswirkungen auf die jeweils betroffene Person und ihr familiäres Umfeld hat. Arbeitslosigkeit wirkt sich auf die gesamte Gesellschaft aus. Einerseits entsteht das Problem der Entsolidarisierung der Gesellschaft, also dass die Bereitschaft für gegenseitige Hilfe und zum Eintreten füreinander abnimmt. Andererseits kann Arbeitslosigkeit zu verstärktem Konfliktpotential bis hin zu politischem Radikalismus führen. „Aus diesem Grund muss jungen Menschen Unterstützung und Begleitung bei der Eingliederung in die Arbeitswelt geboten werden.“, fordert Schirl. Dabei geht es um die Wiederherstellung der Handlungskompetenz, um Selbstbestimmung über die eigenen Umstände des Lebens. Die Jugendlichen müssen durch Eigenständigkeit ihren Wert erkennen und über –auch von ihnen selbst gesuchte – soziale Anerkennung eine sozial konstruktive Einbindung in ihre Umwelt erreichen.

„Anstelle der bisher leider oft nur alleinig angebotenen Berufsorientierung sollte eine lebendige Interaktion und Kooperation mit den Jugendlichen erfolgen“ so Schirl. „ Nur wenn die Jugendlichen selbst ihre individuellen Fähigkeiten und Neigungen erkennen, werden sie zukunftsorientiertes Entscheiden und Handeln bezüglich ihrer Berufswünsche als wichtig erachten. Dazu bedarf es einer seriösen und professionellen Abklärung gemeinsam mit den Jugendlichen, damit ihnen der Mut zum schwierigen Balanceakt zwischen jetzigem Privat- und zukünftigen Berufsleben gegeben werden kann!“

 www.kinderhilfswerk.at


  letztes Update am 12.03.2012

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